Dionysien

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Ablauf der Dionysien

In Athen wurden zu Ehren Dionysos vier Feste gefeiert. Die Ländlichen Dionysien im Dezember und Januar, die Lenäen in Januar und Februar, die Anthesterien im Februar und März und schließlich die Städtischen oder Großen Dionysien im März und April. Horst-Dieter Blume weist in seinen Ausführungen daraufhin, die Ländlichen Dionysien und die Anthesterien „haben keine unmittelbare Bindung an das Drama: Hier manifestiert sich Dionysos als Vegetationsgott, der die Fruchtbarkeit garantiert und den Menschen die Gabe des Weines spendet.“ Die wichtigsten Feiern sind die Städtischen Dionysien, welche mit dem Wiederaufnehmen der Schiffahrt Ende März für alle Welt offenstanden und damit einen panhellenischen Charakter bekamen.Während den Lenäen eher ein Lokalcharakter zuzugestehen ist. Dort konnten die Komödienschreiber besonders hervortreten. Ging es doch meistens in den Komödien um Tagespolitik, um Angriffe auf Politiker, Philosophen und den kleinen Mann, während bei den Tragödien in erster Linie die griechische Mythologie den Handlungsrahmen des Stückes bestimmte. Bei beiden Aufführungsarten hatte der Inhalt der gespielten Stücke in der Regel nichts mit Dionysos zu tun.

Für die Ausrichtung der Städtischen Dionysien war der Archon Eponymos zuständig, dieser war der Repräsant der Polis in weltlichen Dingen. An den Ausführungen waren mehr als 150 Choreuten beteiligt, die Anzahl der Sänger der Dithyrambenchöre betrug 1000. Die Vorbereitungen erstreckte sich über Monate.

Die Stücke, die am dramatischen Wettbewerb teilnahmen, wurden zwei Tage vor Beginn des Festes bekanntgegeben. Diese Zeremonie wurde Proagon genannt. Dabei stellten sich die Dichter, Schauspieler, Choreuten und die Choregen zusammen der Öffentlichkeit vor. Am Vorabend des offiziellen Festbeginns wurde, um sich der Präsenz des Gottes Dionysos zu versichern, sein Kultbild aus dem ihm geweihten Tempel geholt und aus den Mauern der Stadt getragen um es dann wieder zum Tempel am Theater zu bringen. Hierbei handelte es sich um einen symbolischen Akt, der darauf anspielte, wie einst Dionysos aus Eleutherai nach Athen gekommen war.

Der erste Tag der Dionysien begann mit einer Prozession zum Tempel des Dionysos, deren Krönung, der von zwei Satyrn gezogene Festwagen des Gottes war, auf dem ein rebenumkränzter Schauspieler fuhr. Dann folgte der kultische Höhepunkt, die großen Opferzeremonien, bei denen sogar den Frauen die Gelegenheit gegeben wurde daran teilzunehmen. Bei diesen Feierlichkeiten im Theater zeigt sich aber auch deutlich das politische Gesicht. Denn die Festversammlung war gleichzeitig ebenso Volksversammlung, in der verdiente Männer der Polis mit einen Kranz geehrt wurden, sowie Söhne gefallener Bürger eine Waffenrüstung verliehen bekamen. Diese Gleichstellung von Festversammlung und Volksversammlung beweist klar die Symbiose von Politik und Theater. Ob die Bündnispartner des attischen Seebundes seiner Zeit zur Prozession jeweils einen Phallos und einen Stier zu entsenden hatten, ist in der Forschung umstritten. Wenn dieses der Fall war, wäre das ein wichtiges Zeichen für den Stellenwert der Politik innerhalb der Dionysien.

Am Nachmittag begannen die Aufführungen der Dithyrambenchöre. Dabei stellte jede der zehn Phylen jeweils einen Knaben- und einen Männerchor, der sich wiederum aus 50 Personen bildete. Zum Abschluß des Tages fand ein Festtreiben, der sogenannte Komos statt, der in ausgelassener Freude endete.

Am zweiten Tag fand der Agon über die Komödien statt. Dieser Wettbewerb fand aber erst mit der Einführung der Komödien im Jahre 486 v. Chr. statt. Davor gab es bei den Dionysien nur Tagödenaufführungen. Vor den Aufführungen der fünf Komödien wurde Dionysos ein Opfer dargebracht. Dann wurden die Richter für den Agon gewählt, diese stimmten noch am Abend ab, wem der Sieg gebührte.

Am dritten bis fünften Tag standen die Tragödien auf den Spielplan. Im Jahre 510 v.Chr. scheint es zum erstenmal einen Wettbewerb der Dramatiker gegeben zu haben. Seitdem wurden an jeweils einem Tag drei Tragödien und ein Satyrnspiel von ein und dem selben Dichter aufgeführt. Die Verkündigung des Siegers in diesem Agon geschah dann am Abend des fünften Tages. Damit waren die Dionysien formal zu Ende.

Doch stand der darauffolgende Tag immer noch in ihrem Zeichen. Die an diesen Tag abgehaltene Volksversammlung widmete sich primär der Untersuchung der gerade stattgefundenen Dionysien. Beriet sich über ihre Durchführung und ihre Organisation. Auch gab es dort die Möglichkeit Klage zu erheben über Zwischenfälle an den Dionysien.

Die Lenäen stehen in deutlichen Unterschied zu den Großen Dionysien, hinsichtlich der Feiertage und der Ausstattung, obwohl sie älteren Ursprungs sind und die Verantwortung in den Händen des Archon Basileus lag, dem religiösen Vertreter der Polis. Für die Lenäen sind nur die Prozession, die Tragödien- und Komödienaufführungen belegt. Dithyrambenchöre spielten nicht auf. Bei den Tragödenagon traten nur zwei Tragiker gegeneinander an und auch nur mit jeweils zwei Stücken ohne Satyrespiel. Dieser tragische Agon wurde an einem Tag entschieden. Wie oben schon genannt, traten an den Lenäen die Komödienschreiber in den Vordergrund. Doch auch bei den Komödienschreibern wurde ein Sieg bei den Dionysien höher bewertet. Die Festlichkeiten dauerten im ganzen drei Tage.