Politisches in den Theaterstücken

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Politisches in den Theaterstücken

Der Stellenwert der Politik zeigt sich auch klar im Inhalt der aufgeführten Stücke, und verdeutlicht damit die Aufgabe des Theaters innerhalb der Athenischen Demokratie. Für Bernd Effe zeigt sich „Das Theater als politische Anstalt: Dieses Schlagwort ist gut geeignet den pragmatischen Funktionsrahmen prägnant zu kennzeichnen, der für das attische Drama des 5. Jahrhunderts bestimmend gewesen ist.“

Wie schon erwähnt widmeten sich die Komödienaufführungen der Tagespolitik, während in den Tragödien der mythische Hintergrund vorherrschend war. Doch waren dir Tragödienschreiber bemüht auch zwischen der Mythischen Vergangenheit und den aktuellen Geschehnissen eine Brücke zu schlagen. Besonders deutlich wird dieses Anliegen bei dem Stück „Die Schutzflehenden“ des Euripides. Der mythische Hintergrund ist der Feldzug der Sieben gegen Theben. Die Aktualität des Stoffes wird durch die Konfrontation Theben und Athen zur Zeit der Aufführung in das Stück getragen. Weiter liefert das Stück einen Beitrag zur Diskussion der Werte, für Leif Bergson besonders auf politischen Gebiet. In der Gegenüberstellung von Athen und Theben, von einer demokratischen zu einer oligarchischen Herschaftsform, nutzt Euripides die Möglichkeit der Verherrlichung der attischen Demokratie. Mit der Anpreisung der athenischen Staatsform, die schon als idealisiertes Bild bei der Gegenüberstellung von Griechenland und Persien im Stück „Die Perser“ von Aischylos vorkam, spricht Euripides den politischen Anspruch der Athener aus. Er zeigt das politische Bild, das der Bürger der Polis Athen von seiner Stadt hat. Theater dient somit „der Selbstdarstellung der Polis und der Selbstvergewisserung und Identitätsstiftung des demokratischen Souveräns“.

Diese Aktualität, hinsichtlich politischer Ereignisse ist auch noch in anderen Tragödienaufführungen nachzuweisen. In diesen Zusammenhang ist das Stück des Phrynichos zu nennen. „Die Einnahme von Milet“, zwei Jahre nach der schmerzvollen Unterwerfung der Stadt Milet durch die Perser aufgeführt, unterläßt es die Verbindung von Mythos und Realität. Phrynichos schildert die Realität. Eine Realität die dem Athener Selbstverständnis nicht entgegenkam. Die Athener Zuschauer wurden von dem Stück so mitgenommen und erzürnt, daß sie Phrynichos zu einer Strafe von tausend Drachmen verurteilten und die Aufführung des Stückes verboten.

Anders verhält es sich mit Aischylos bei dem Stück „Die Perser“. Auch er schildert die Realität ohne einen Bezug auf einen Mythos. Doch ist es eine glanzvolle Realität, die Abwehrung der persischen Gefahr. Die Aufführung (472 v. CHR.) und der Sieg beim Tragödienagon der Dionysien war acht Jahre nach der Schlacht von Salamis, trotzdem kann der Konflikt Griechenland und Persien immer noch zur Tagespolitik im damaligen Athen gezählt werden, lag eine neue Konfrontation immer noch im Bereich des möglichen.

Noch viel deutlicher tritt die Politik in der Komödie in den Vordergrund, besonders bei ihrem hervorstechendsten und brillantesten Vertreter seiner Zeit: Aristophanes, der sich „ ... auf das lebendige geistig-politische Fludium seiner Zeit bezieht; er ist in diesem Sinne zeitbedingt, so sehr sein dichterisches Genie zeitlos ist.“ Aristophanes sieht sich selbst als „Ankläger der zersetzenden demagogischen Politik. Unübersehbar sind die Angriffe auf Politiker Athens. In dem Stück „Die Archaner“ ( Aufführung 425 v. Chr.), das sich thematisch mit dem Ausbruch des Peloponnesischen Krieges befaßt, läßt Aristophanes es sich nicht nehmen, auch Gerüchte über Perikles und seine Geliebte Aspasia mit einzuflechten. Noch härter greift er den Politiker Kleon in seinem Stück „ Die Ritter“ (424) an. Es ist eine scharfe Satire auf Kleons Demagogie und seine Kriegspolitik. Das Stück „Die Ritter gilt als ein „Musterbeispiel der politischen engagierten Alten Komödie“. Die offene Ablehnung Aristophanes gegenüber Kleons Politik zeigt sich auch deutlich in dem Stück „Die Wespen“ (422), hier ist es die durch Kleon gesteigerte Prozessflut, die am Pranger steht. In „Der Friede“ (421) wird Kleon, der ein Jahr zuvor bei einer Schlacht auf der Chalkididike erschlagen wurde, nochmals als Kriegstreiber vorgeführt.